„Stell dir vor, du wirst von Aliens auf deren Heimatplaneten entführt.“
Rezension zu "König Dame Joker"
„König Dame Joker“ von Louis Sacher erschien 2011 beim Bloomsbury Verlag. Der Originaltitel lautet „The Cardturner“ und beschreibt, worum es in dem Buch geht: Um einen Kartenleger. Mit seinem Buch versucht Louis Sacher vor allem eins: Junge Leute für Bridge zu interessieren. Da er selbst begeisterter Turnier-Bridge Spieler ist, beobachtet er aus erster Hand, dass die Spieler immer älter werden und das Spiel auszusterben droht – warum also nicht die nächste Generation wieder dafür begeistern? Wer Louis Sachers Bücher kennt (darunter „Löcher“, das von Disney verfilmt wurde und „Kleine Schritte“, das eine Art Fortsetzung von „Löcher“ ist), der weiß, dass hier eine außergewöhnliche Erzählung wartet.
Worum geht es?
Hauptfigur des Romans ist Alton – 17 Jahre alt und gerade im Inbegriff, seine Sommerferien zu beginnen. Nachdem seine Freundin ihn für seinen besten Freund verlassen hat und sein Auto regelmäßig den Geist aufgibt, sehen seine Aussichten für den Sommer nicht gerade blendend aus. Sein Plan ist also, einen Sommerjob zu finden, doch dummerweise hat seine Mutter andere Pläne für ihn.
Altons Großonkel (steinreich und blind), der passionierter Bridgespieler ist, braucht nämlich einen neuen Kartenleger. Altons Mutter, die hofft, so einen größeren Erbanteil zu erhalten, ist natürlich begeistert, als die Wahl für den neuen Kartenleger auf Alton fällt und Widerrede ist zwecklos. So muss er seinen Onkel also vier Mal die Woche in den Bridgeclub fahren und für ihn die Karten legen. Was zunächst nach dem schlimmsten Schicksal aller Zeiten klingt entpuppt sich jedoch als nicht ganz so übel – mit und mit beginnt Alton sogar die Regeln des Spiels zu begreifen und das ständige Zusehen bei den Partien seines Großonkels hilft ihm dabei, das Ganze besser zu verstehen. Doch das Glück währt nicht lang – schon bald verschlechtert sich der gesundheitliche Zustand seines Großonkels und so gehen sie gemeinsam sein letztes Ziel an, den höchsten Titel eines Bridgespielers zu erreichen: Den Grand Life Master.
Altons Großonkel (steinreich und blind), der passionierter Bridgespieler ist, braucht nämlich einen neuen Kartenleger. Altons Mutter, die hofft, so einen größeren Erbanteil zu erhalten, ist natürlich begeistert, als die Wahl für den neuen Kartenleger auf Alton fällt und Widerrede ist zwecklos. So muss er seinen Onkel also vier Mal die Woche in den Bridgeclub fahren und für ihn die Karten legen. Was zunächst nach dem schlimmsten Schicksal aller Zeiten klingt entpuppt sich jedoch als nicht ganz so übel – mit und mit beginnt Alton sogar die Regeln des Spiels zu begreifen und das ständige Zusehen bei den Partien seines Großonkels hilft ihm dabei, das Ganze besser zu verstehen. Doch das Glück währt nicht lang – schon bald verschlechtert sich der gesundheitliche Zustand seines Großonkels und so gehen sie gemeinsam sein letztes Ziel an, den höchsten Titel eines Bridgespielers zu erreichen: Den Grand Life Master.
Graphische und rhetorische Gestaltung
Um komplett ehrlich zu sein, muss ich sagen, dass mir das Cover des Buches nicht wirklich zugesagt hat. Der Zug, der Junge mit dem Buch auf dem Gesicht – sie haben meiner Meinung nach nichts mit dem Inhalt des Buches zu tun und sind deshalb etwas missführend. Auch der Titel „König Dame Joker“ passt meiner Meinung nach nicht unbedingt, da im Bridge kein Joker zum Einsatz kommt und die Spielkarte auch sonst keine Bedeutung innerhalb des Buches hat.
Der Stil des Romans wirkt insofern sehr authentisch als das man Alton direkt beim Erzählen zuhört: Die Sätze sind kurz gehalten, Gedanken werden ohne große Reflektion aufs Papier gebracht und teilweise spricht Alton den Leser direkt an – zum Beispiel wenn er einen Person aus einem früheren Kapitel wieder aufgreift. („Falls dir der Name bekannt vorkommt, ja, es ist dieselbe Katie, die meinte, ich hätte ungeheuer intuitive Augen.“) Teilweise wirkt es durch diesen Erzählstil jedoch auch recht hektisch – alles scheint auf ein Mal zu passieren und man hat den Eindruck, man verliert den Überblick. Dann bleibt der Autor wieder gefühlte Ewigkeiten an einem Moment hängen, der ausführlich erörtert wird. Sehr gestört haben mich die Zwischeneinschübe, in denen der Erzähler Kritik am Autor übt („Ein talentierter Autor hätte das schon früher geschickt eingestreut“) - natürlich wird dadurch der Direkt-aus-dem-Kopf-Stil authentischer, jedoch wirkt es etwas aufgesetzt.
Sehr spannend fand ich hingegen die Einschübe zum Thema Bridge, in denen die Regeln genauer erklärt wurden. Da diese sich manchmal über mehrere Seiten erstreckt haben, wurde zu Beginn immer ein Walfisch (warum auch immer) und zum Ende ein kurzer Erklärungskasten mit einer Zusammenfassung des Informationsabschnittes gedruckt. So können Leser, die Bridge nicht unbedingt brennend interessiert oder die bereits mit dem Spiel vertraut sind, die Erklärung überspringen, eventuell die Zusammenfassung lesen und dann mit der Geschichte fortfahren. Für interessierte Leser sind diese Abschnitte jedoch sehr lehrreich – zusätzlich dazu findet sich am Ende des Buches außerdem ein Anhang, in dem weitere Bridgeregeln erklärt werden.
Das Buch ist aus der Perspektive von Alton als Ich-Erzähler geschrieben.
Meine Meinung
Wer bereits mit dem Bridgespiel vertraut ist, für den könnte dieser Roman genauso spannend wie langweilig sein. Immer wieder streut der Erzähler Details zu einzelnen Partien ein, so dass man sich vorstellen kann, wie das Spiel wohl abgelaufen sein könnte (die, die lediglich oberflächlich erwähnt werden finden sich im Anhang ausführlich wieder), jedoch kann Altons Perspektive, der das Bridge spielen ja erst langsam lernt für erfahrene Spieler auch nervig sein, weil er Zusammenhänge logischerweise auf den ersten Blick nicht unbedingt erkennt.
Für Leute, die nur Grundzüge oder überhaupt kein Bridge können ist das Buch gut geeignet – ein wenig Vorwissen auf dem Gebiet der klassischen Kartenspiele (Skat, Rommé etc.) könnte allerdings hilfreich sein, da man sonst leicht den Überblick über die Wertigkeit der Karten und den Zusammenhang zwischen den einzelnen Farben verliert. Durch zahlreiche Erklärung kann man sich allerdings auch dort leicht hineinfitzen. Wen Kartenspiele überhaupt nicht interessieren, der sollte besser die Finger von diesem Buch lassen, den an Bridgetunieren usw. kommt man hier nicht herum.
Fazit
Bei „König Dame Joker“ von Louis Sacher handelt es sich um einen recht unterhaltsamen Roman, der jedoch stilistisch nicht viel her macht. Herausfordernd ist er lediglich in dem Sinne, dass die Bridgeregeln zu Beginn durchaus Verwirrung stiften können. Empfehlen kann ich das Buch all jenen, die sich für Kartenspiele interessieren und sich vorstellen können, ein Buch über Leute zu lesen, die sich für dieses Metier begeistern. Für alle anderen ist das Buch jedoch nicht unbedingt geeignet.
Spoiler
Ein kranker und reicher Erbonkel stellt natürlich gleich zu Beginn eine Frage in den Raum: Stirbt er während des Buches oder hält er es noch weiter darüber aus? Die Antwort liegt beinahe auf der Hand: Natürlich stirbt Altons Großonkel während des Buches und natürlich hat es einen Einfluss auf Altons weiteres Leben.
Dann ist da noch die Frage nach dem Testament – schon während der ersten Kapitel merkt man sehr deutlich, dass Altons Mutter scharf auf das Geld ihres Onkels ist. Letztendlich werden sie jedoch nur indirekt beerbt und der Traum von den Millionen bleibt nur, was er von vorn herein war: Ein Traum.
Zum Schluss noch zu Toni, Altons Vorgängerin, die wir etwa in der Mitte des Buches kennen lernen und die allgemein als verrückt gilt. Zum Ende des Buches finden sie und Alton tatsächlich zusammen, jedoch erst nachdem Toni einen Umweg über Altons besten Freund gemacht hat und der kurz davor war, Altons Exfreundin sitzen zu lassen.
Diskussion
Zum Schluss gibt es noch einige Punkte, die ich gerne mit denen, die das Buch bereits gelesen haben, diskutieren möchte:
1. Hätte Alton schneller Bridge gelernt, wenn sein Großonkel ihm von Beginn an die Regeln erklärt hätte oder meint ihr, es macht keinen großen Unterschied? (Zumal er dann ja vermutlich nicht die Tipps von Toni bekommen hätte, genau wie die Unterstützung von Leslie.)
2. Wäre Toni bei Cliff geblieben, wenn Alton nicht plötzlich – wie sie – Stimmen gehört hätte bzw. die Stimme seines Großonkels?
3. Und meint ihr, es ist prinzipiell möglich, allein durch die (intensive) Lektüre dieses Romans das Bridge spielen zu lernen?
Da ich selbst vollkommener Neuling auf diesem Gebiet bin würde mich eure Meinung dazu sehr interessieren!
Habt ihr noch weitere Fragen oder vielleicht die eine oder andere Antwort? Ich bin gespannt!

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