Wieder einmal ist ein Buch von Lovelybooks bei mir eingezogen, dieses Mal eine Sammlung von Erzählungen, "Böhmen ist der Ocean", von Rhea Krčmářová. Sie emigrierte mit ihrer Familie nach Österreich und hat dort Theaterwissenschaften, Gesang und Schauspiel studiert. Zudem ist sie Absolventin des Instituts für Sprachkunst an der Universität für angewandte Künste - und all das merkt man ihrer neusten Veröffentlichung auch an.
Rezension zu "Böhmen ist der Ocean"
Erst in diesem Frühjahr ist "Böhmen ist der Ocean" beim mir bisher unbekannten "Verlag Kremayr & Scheriau" aus Österreich. Der Preis für die 208 gut gefüllten Seiten liegt bei 19,90€ - eine Summe, die mich erst einmal abgeschreckt hätte, doch tatsächlich ist das Buch sein Geld wert!
Worum geht es?
Anders als in den Büchern, die ich normalerweise lese, gibt es hier nicht den "einen" Handlungsstrang, der alles verbindet - viel mehr steckt hinter dem Cover was bereits darauf verkündet wird: Erzählungen, neun Stück an der Zahl. Jede hat ihre eigene Perspektive und ihren eigenen Zusammenhang zu den großen Überthemen "Böhmen" und "Wasser". Dabei geht es teilweise sehr real, teilweise absolut sagenhaft zu. Alle Texte haben einen mehr oder weniger oberflächlichen Zauber inne und so hält man am Ende selbst nach Wassermännern und Nymphen Ausschau.
Die Erzählerinnen (und Erzähler) der Texte haben meist ähnliche Schicksal, sind aus Böhmen vertrieben worden oder ausgewandert, haben Verwandte dort, doch mit ihnen eher weniger zu tun. Es gibt Ausnahmen, wie die Meeresbiologin, die in der Nähe der tschechischen Grenze groß geworden aber durch und durch Österreicherin ist oder auch Geisterführerin, die Zeit ihres Lebens, so wie es scheint, in Prag gelebt hat. Jedoch teilen auch sie mit den anderen ein Gefühl der Heimatlosigkeit.
Graphische und rhetorische Gestaltung
Das Cover verströmt zunächst eine ganz eigene Atmosphäre - mit seinen dunklen Blau- und Grüntönen wirkt es urig und märchenhaft zugleich. Die weißen Linien stehen vermutlich für die Höhenlinien Böhmens und wirken im Kontrast zu dem dunklen Hintergrund. Am meisten überrascht hat mich jedoch die Nixe, die sich in der rechten oberen Ecke versteckt hat und auf einer Flöte spielt. Zwar tauchen die Nymphen immer wieder im Text auf, die Musik fehlt allerdings, was ich persönlich ein wenig Schade finde.
Stilistisch gibt es an diesem Werk nichts zu bemäkeln - wie auch, bei der Autorin? Die Texte lesen sich sehr angenehm, wenn sie auch hin und wieder etwas anspruchsvoll sind, so dass man sich voll darauf konzentrieren muss. Die Texte selbst sind alle relativ kurz (ca. 20 Seiten) und beinhalten viele Absätze, so dass man immer wieder ein bisschen weiter lesen kann - es ist jedoch empfehlenswert, die Texte unter einer Überschrift am Stück zu lesen, um den Überblick über das Geschehen zu behalten.
Inhaltlich bildet das Buch eine wunderbare Einheit - so entsteht zum Beispiel ein formeller Kreis: Der erste Text hat Koordinatenangaben als Zwischenüberrschriften, der letzte Text Höhenangaben über N.N. oder auch dem Ozean. Zwischen diesen beiden Rahmentexten befinden sich sieben weitere, von denen der mittelste (der Fünfte) den Höhepunkt bildet, denn hier konzentrieren sich all die Mythen und Legen und nehmen drumherum (wie eine Welle) ab.
Inhaltlich bildet das Buch eine wunderbare Einheit - so entsteht zum Beispiel ein formeller Kreis: Der erste Text hat Koordinatenangaben als Zwischenüberrschriften, der letzte Text Höhenangaben über N.N. oder auch dem Ozean. Zwischen diesen beiden Rahmentexten befinden sich sieben weitere, von denen der mittelste (der Fünfte) den Höhepunkt bildet, denn hier konzentrieren sich all die Mythen und Legen und nehmen drumherum (wie eine Welle) ab.
Rhetorisch spielen viele Bilder und Metaphern eine große Rolle. Das wichtigste Thema ist dabei, kaum überraschend, das Wasser - immer wieder ist von Fähren und dem Ocean die Rede, von Flüssen und vom Ertrinken. Auch der Kontrahent des Wasser, das Feuer, spielt hier und da eine Rolle, es ist ein ständiges Hin und Her der Elemente.
Die Sichtweise und die Erzählerin wechseln nicht nur zwischen den einzelnen Texten sondern auch in ihnen. Spannend fand ich vor allem die "wir" oder auch "du" Perspektive - so etwas liest man eher selten.
Meine Meinung
Rhea Krčmářová ist böhmischer Herkunft und bemüht, die Mythen und Sagen ihrer Heimat in die Texte einzuweben. Kennt man diese jedoch nicht fällt es manchmal schwer, dem Text zu folgen. Jedoch folgen immer wieder subtile Hinweise auf die Legenden, so, dass es Kenner vermutlich nicht stört, den Unwissenden jedoch einen Zutritt zur Sagenwelt gewährt.
Letzendlich zentrieren sich alle Texte um den Urmythos der "Panta rhei", des böhmischen Ozeans, dem Ursprung der Welt. Aus diesem Ozean werden Insel und Wassergeister geboren, die Muttergöttinnen Mokose, Morena und Lada heben sie aus dem Wasser, schaffen das Land und damit die Menschen, gleichzeitig aber auch Nymphen und Wassermänner, die die Menschen zum Ertrinken bringen und die Seelen der Männer als Lichtlein benützen, Frauen werden selbst zu Nymphen. Gelingt es den Nymphen irgendwann nicht mehr, Menschen ins Wasser zu locken, werden sie zu Irrlichtern und verlöschen irgendwann ganz.
Persönlich bin ich das Buch ohne Vorwissen angegangen und bin gut damit klar gekommen, viele der Mythen ließen sich aus dem Kontext erschließen.
Letzendlich zentrieren sich alle Texte um den Urmythos der "Panta rhei", des böhmischen Ozeans, dem Ursprung der Welt. Aus diesem Ozean werden Insel und Wassergeister geboren, die Muttergöttinnen Mokose, Morena und Lada heben sie aus dem Wasser, schaffen das Land und damit die Menschen, gleichzeitig aber auch Nymphen und Wassermänner, die die Menschen zum Ertrinken bringen und die Seelen der Männer als Lichtlein benützen, Frauen werden selbst zu Nymphen. Gelingt es den Nymphen irgendwann nicht mehr, Menschen ins Wasser zu locken, werden sie zu Irrlichtern und verlöschen irgendwann ganz.
Persönlich bin ich das Buch ohne Vorwissen angegangen und bin gut damit klar gekommen, viele der Mythen ließen sich aus dem Kontext erschließen.
Fazit
Ich bin mit wenigen Erwartungen aber vor allem neugierig an das Buch herangegangen und wurde bereits vom Cover mit seiner Nymphe überrascht. Die Texte nehmen einen auf wundervolle Reisen mit und sind mehr oder weniger emotional, dafür aber lehrreich und interessant. Meine Lieblingserzählung ist vermutlich der vorletzte Text - sehr gut gelungen hinterlässt er genau die richtige Dosis Melancholie im Leser.
Rhea Krčmářovás neues Buch ist absolut empfehlenswert für alle, die nicht nur nach Unterhaltungsliteratur suchen sondern auch gerne einen Schritt weiter in Richtung anspruchsvolle Lektüre gehen.
Rhea Krčmářovás neues Buch ist absolut empfehlenswert für alle, die nicht nur nach Unterhaltungsliteratur suchen sondern auch gerne einen Schritt weiter in Richtung anspruchsvolle Lektüre gehen.

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