Mittwoch, 19. Juli 2017

Wie ihr eine Fantasiesprache entwickelt

Von hochkomplizierten Beispielen wie Elbisch über Klingonisch bis hin zur Lewelsprache - Fantasiesprachen gibt es viele und in den unterschiedlichsten Komplexitäten. Dabei gibt es ganz unterschiedliche Strategien, um eine solche Sprache zu entwickeln. Meine drei bevorzugten Methoden erkläre ich in diesem Post.

Variante Nummer 1: Die Verschlüsselung


Man nehme: Eine bereits vorhandene Sprache - zum Beispiel die eigene Muttersprache oder eine sonstige, die man gut beherrscht. Anschließend fertigt man sich ein neues Alphabet an - die Buchstaben werden durch Symbole ersetzt und jedes dieser Symbole mit einem Laut verbunden. Ideen dazu seht ihr im linken unteren Bild. (Rechts lediglich ein altgriechisches Alphabet, welches ich letztendlich anstelle der Symbole verwendet habe.) 

Als Nächstes formuliert ihr, was ihr sagen wollt, ersetzt die jeweiligen Buchstaben durch die Symbole und übersetzt das Ganze dann in eure Laute. (Also so wie es sich anhören würde, wenn man die Symbole hintereinander ausspricht.) Da die fremde Sprache meist aus Sicht eines Unwissenden beschrieben wird, könnt ihr mittels der Lautsprache vermitteln, wie es sich anhört, wenn die Sprache gesprochen wird, ohne dass der Charakter unbedingt versteht, worum es geht.


Variante Nummer 2: Wortstämme


Aus dem Deutschunterricht und vielleicht auch von anderswo werden sie euch bekannt sein: Die Wortstämme. Im Prinzip beschreibt der Terminus die Tatsache, dass Sprachen, die in benachbarten Regionen gesprochen werden, meist den gleichen Wortursprung haben - im mitteleuropäischen Raum ist das zum Beispiel oft Latein, dann gibt es noch die finno-ukrischen Sprachen und so weiter und so fort. (Ich bin (noch) keine Sprachwissenschaftlerin und der Unterricht zu dem Thema liegt etwas zurück.)

Wortstämme sind also der Kern dieser Entwicklungsidee, die sich am Besten für Sprachen eignet, die hier auf der Erde angesiedelt sind. Abhängig von der geographischen Position könnt ihr Nachforschungen zu den Wortursprüngen in dieser Region anstellen und dann anschließend durch kreative Endungen neue Wörter entwickeln.

Ein Beispiel: Das lateinische Wort "amare" heißt "lieben". Im Italienischen heißt "amo" übersetzt "ich liebe". Das spanische Wort für "Liebe" ist "amor". Sowohl Spanisch als auch Italienisch (sowie Portugiesisch und Französisch) haben einen romanischen (von Rom her) Wortursprung, so dass gleichklingende Wörter meist auch die gleiche Übersetzung haben. Auf einer mysthischen Insel im Mittelmeer könnt ihr euch genau das zu Nutzen machen - ihr vergleicht die Gemeinsamkeiten der romanischen Sprachen, übernehmt das, was komplett überein stimmt genauso in eure Geschichte und denkt euch eigene Endungen für die Verbformen aus. Die Grammatik spielt dabei keine Rolle, denn es ist eure Sprache und ihr schreibt die Regeln.

Variante Nummer 3: Die komplette Neuschöpfung


Diese Methode ist vermutlich die zeitaufwendigste, zahlt sich dafür aber auf lange Sicht aus. (Wenn euer Buch eine große Fangemeinde entwickelt, die mittels der von euch erdachten Sprache kommuniziert, ist das schon ziemlich cool.) 

Für diese Methode greift ihr erneut über das Vorwissen mit den Wortstämmen zurück - allerdings entwickelt ihr diesmal die Wortstämme selbst. Ihr könnt euch dabei an einer anderen Sprache orientieren und schauen, welche Wörter ähnlich klingen und wie die Bedeutungen zusammen passen. Vergesst nicht Vergangenheits- und Zukunftsformen mit einzubauen, so wie Konjunktive etc. Dabei kann auch ein Grammatikbuch von Hilfe sein. Am Wichtigsten ist hier, dass ihr euch Zeit lasst und die Sprache nicht erzwingt sondern mehr darauf wartet, dass sie zu euch kommt.


Egal welche der Methoden ihr anwendet: Ich wünsche euch viel Glück und würde mich über eine Rückmeldung freuen! Welche Technik wendet ihr bei der Sprachentwicklung an?

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