Wenn ihr euch dazu entscheidet, eure Geschichte in einer Welt außerhalb der euren anzusiedeln, ist es wichtig, dass ihr die Hintergründe nicht vergesst - Mythen, Sagen und Märchen gehören auch dazu. Sie geben Auskunft darüber, was den Wesen dort wichtig ist und was für sie eine Gefahr darstellen könnte. So kann es zum Beispiel bei euren Charakteren zu Reaktionen auf Situationen kommen, die für euren Leser vollkommen unverständlich sind - und ihm dadurch umso deutlicher machen, dass eure Fantasiewelt tatsächlich anders ist als die reele.
An Beispielen auf dem Buchmarkt mangelt es nicht - angefangen bei J. K. Rowlings "Märchen von Beedle dem Barden" über die Sagen in "Charlie Bone" von Jenny Nimmo bis hin zu den Legenden der Schattenjäger von Cassandra Clare: Jeder Fantasyautor ist darum bemüht, nicht nur durchdachte Charaktere und eine spannende Handlungslinie, sondern auch einen komplexen Hintergrund der jeweiligen fantastischen Welt zu kreieren. Doch wie kann euch das gelingen?
Bereits Bekanntes festhalten
Was wisst ihr bereits über die Fantasywelt, in der euer Roman spielt? Welche Wesen gibt es dort und was unterscheidet sie von der unseren? Erstellt am Besten eine Mindmap o.ä. in der ihr alles, was ihr bereits wisst, zusammen tragt.
Nun stellt sich die Frage, wie zivilisiert eure Welt ist: Liest das Volk oder wird das Meiste mündlich überliefert? Gibt es einen König/ eine Regierung, die kontrolliert, was das Volk weiß und was nicht oder herrscht Meinungsfreiheit? Natürlich spielt dabei auch der Faktor, zu welcher gesellschaftlichen Klasse euer Protagonist gehört, eine wichtige Rolle: Hat er Zugang zur Vergangenheit des Landes oder nicht? Kann er es in heruntergekommenen Kneipen aus ersten Hand hören oder müsste sich der Hauptcharakter dazu aus einem streng abgetrennten Umfeld befreien?
Wenn ihr das alles habt müsst ihr lediglich euren Grundkonflikt nochmal genauer betrachten: Worum geht es in eurer Geschichte? (Unabhängig von der Fantasywelt.) Bei mir wäre das zum Beispiel die Entführung eines kleinen Mädchens, möglich wäre aber auch eine Liebesgeschichte oder ein Krieg.
Warum braucht ihr eine Fantasywelt?
Als Nächstes müsst ihr euch die Frage stellen, warum ihr für eure Geschichte eine Fantasywelt ansiedelt. Meist liegt der Grund dafür in veränderten Naturgesetzen oder Wesen, die es so in unserer Welt nicht gibt. Welche Rolle spielen diese in eurer Geschichte? Um bei den gleichen Beispielen zu bleiben: In meiner Geschichte sollen Halbwesen (Halb Mensch, halb Tier) das Mädchen entführt haben. In der Liebesgeschichte könnte ein Partner nicht menschlich sein, der Krieg könnte gegen übernatürliche Wesen ausgetragen werden.
Natürlich gibt es dazu auch noch einen anderen Aspekt: So können zum Beispiel unterschiedliche Fantasywesen miteinander im Konflikt stehen (Krieg, verbotene Liebe, Entführungen etc.) wie zum Beispiel in der "Twilight" Reihe von Stephanie Meyer oder es gibt innerhalb einer "Wesensgruppe" eine Splittergruppe, die gegen den Rest handelt wie in der "Harry Potter" Reihe von J. K. Rowling. Fest steht: Ihr müsst den "Feind" finden, der das Gleichgewicht der Fantasywelt stört.
Warum sind die Bösen böse und die Guten gut?
Langsam nähern wir uns dem Kern der Sache: Ihr wisst, wer die bevorzugte Seite ist und müsst nun Argumente gegen die Gegenseite sammeln. Dabei können zum Beispiel Geschichten helfen: Werwölfe, die kleine Kinder fressen und Vampire, die Menschen aussaugen schrecken ab und verhindern, dass die Anhänger der "Guten" zu den "Bösen" überlaufen. In meiner Geschichte gibt es unzählige Geschichten über die Brutalität und Grausamkeit der Halbwesen und entsprechend werden sie von allen gefürchtet. (Auch wenn zunächst keiner an ihre Existenz glaubt.) Ihr braucht also Sagen, Mythen, Legenden und Märchen, die die Argumentation der Seite, in der euer Hauptcharakter gesetzt wird, unterstützen.
Spieglein, Spieglein, an der Wand
Jetzt fehlt euch nur noch eins: Die Geschichten selbst. Ihr wisst bereits, wer die Antagonisten sind und wer die klaren Helden. In welchen Situationen hätten jedoch die Helden ihren Mut beweisen können? Sammelt so viele Ideen wie möglich und sucht euch anschließend die Beste heraus, um eine Geschichte darum zu schreiben. Während es euren Roman voran bringt ist es gleichzeitig eine nette Schreibübung. Natürlich müsst ihr nicht alle Märchen ausformulieren - es reicht, wenn ihr ihnen einen Titel gebt. So können die Charaktere andeuten, dass es die Geschichte gibt und den Inhalt ungefähr widergeben. Der Leser erfährt so von den Geschichten und mehr muss er ja eigentlich nicht wissen.
Habt ihr schonmal ein Märchen geschrieben? Ich habe mich in diesem Sommer zum ersten Mal daran versucht und es hat mir wahnsinnig viel Freude bereitet. Die Idee dafür stand bereits seit einem Jahr, so dass die Handlung bereits ausgereift war. Ein weiterer Vorteil: Märchen müssen nicht unendlich lang sein und lassen sich leicht nebenbei schreiben. Probiert es also unbedingt mal aus!

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