Sonntag, 2. Juli 2017

Lagerfeuergeschichten - Juli 2017 (Teil 1)

Der ersten Auszug aus meinem Projekt "Myerm" stammt aus dem ersten Kapitel. Worum es in der Geschichte allgemein geht erfahrt ihr hier

Es ist der Tag der Sommersonnenwende und mein Hauptcharakter, Noemi, hat soeben ihren Vater Pepe auf dem Dach ihres Hauses gefunden. Normalerweise wird das Fest groß gefeiert, doch an diesem Abend ist alles anders.




Schließlich fand Noemi Pepe auf der Dachterrasse, die auf den Kanal blickte. Wie jede Nacht spiegelte sich das Licht der altmodischen Straßenlaternen der Promenade im Meerwasser und trotzdem wirkte es anders. Normalerweise wären um diese Uhrzeit noch viel Leute im oder zumindest am Wasser gewesen – besonders heute – und doch lag der Kanal so verlassen da, wie Noemi ihn noch nie gesehen hatte. Und dann war da noch das Wasser: Es war dunkler als sonst. Wie als ob sich ein Kalmar zwischen den Häusern verirrt und dann seine Tinte ausgestoßen hätte.

„Was ist passiert?“ Pepes Blick war abwesend, so als ob er sie nicht einmal annähernd wahrnehmen würde.

„Leonor Goncalves. Sie ist seit heute Nachmittag verschwunden. Hatte noch gemeinsam mit den anderen Kindern im Kanal gespielt und auf einmal war sie nicht mehr da. Etwas muss sie unter die Wasseroberfläche gezogen haben. Sie ist nicht ertrunken, so viel steht fest, denn um sie herum waren überall Menschen. Irgendwer hätte etwas bemerken müssen. Wir sind so weit wie möglich in den Kanal getaucht, haben alles mit Lichtern abgesucht, aber sie ist und bleibt verschwunden.“

„Hätte das Netz sie nicht aufhalten müssen?“

„Eigentlich schon – die Tatsache, dass nirgendwo im Netz ein Loch ist, stellt uns vor noch mehr Rätsel. Wenn wir wenigstens wüssten, dass sie irgendwo darunter ist! Aber aktuell stehen wir vor einer Frage, auf die wir keine Antwort finden können.“

Nachdenklich sah sie zum Wasser hinüber. „Denkst du, dass so etwas jetzt öfter passieren wird? Dass das, was Leonor geholt hat auch anderen etwas antun wird?“

Pepe zuckte ratlos mit den Schultern. „Ich weiß es nicht. Aber für uns alle hoffe ich, dass es nicht so kommen wird. Die Polizei wird ihr Möglichstes geben, um herauszufinden, was passiert ist.“



Nächstens Sonntag geht es weiter mit einer außergewöhnlichen Begegnung!

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