Kurze Einleitung Englang im Jahr 1936 – das Jahr, in dem die legendäre „Queen Mary“ zu Wasser gelassen wird, die Olympischen Spiele in Berlin stattfinden und Prinz Edward von Wales die Nachfolge seines Vaters ablehnt, so dass schließlich sein jüngerer Bruder Albert zum neuen König wird. Ein aufgewühltes Jahr in der europäischen Geschichte, in dem die Rechten immer stärker werden. Ausgerechnet hier siedelt Juliet Nicolson ihren ersten Roman an – mit einem gewagten Titel: „Als Mrs. Simpson den König stahl“.
Rezension zu "Als Mrs. Simpson den König stahl"
Der Roman „Als Mrs. Simpson den König stahl“ von Juliet Nicolson erschien 2012 unter dem Titel „Abdication“ bei Bloomsbury und wurde in Deutschland beim Insel Verlag veröffentlicht. Vor ihrem Debütroman veröffentlichte Nicolson bereits zwei Sachbücher über England vor dem zweiten Weltkrieg und das merkt man dem Roman auch an – hinter der Geschichte finden sich viele historisch belegte Fakten wieder und wer mehr wissen will findet in den Danksagungen die meistfrequentierten Sachbücher der Autorin.
Worum geht es?
Der Handlungsrahmen ist, generell gesagt, das Jahr 1936. Der Roman beginnt im Winter und führt bis in den Herbst – eine Zeitspanne die viel passiert. Hauptfiguren des Romans sind May Thomas, die aus Barbados nach England gekommen ist und gerade erst zwanzig Jahre jung ist, und Evangeline Nettlefold, eine Amerikanerin, die in enger Verbindung zu Wallis Simpson, der Geliebten des Thronfolgers Prinz Edward von Wales, steht. Zufällig erreichen die Beiden am gleichen Tag (auf unterschiedlichen Schiffen) den Hafen von Liverpool und fortan scheinen ihre Schicksale verbunden zu sein.
Kenner der englischen Geschichte wissen bereits, was in diesem Buch passiert: König George V. stirbt, Edward lehnt den Königsthron ab und Albert wird zum neuen Herrscher von Großbritannien. Soweit so gut. Was jedoch hinter dieser offiziellen Fassade in der gehobenen Gesellschaft passiert, erläutert Juliet Nicolson in ihrem Debütroman. Dabei bringen sowohl May, die als eine der ersten Chauffeurinnen bei einem Abgeordneten des britischen Parlaments arbeitet, als auch Evangeline, die direkt Informationen aus dem Königshaus erfährt, ihr Wissen in die Geschichte ein. So webt sich ein dichtes Netz aus Fakten, Gerüchten und dem Leben der Leute, das neben den Ereignissen im Königshaus weiterläuft.
Kenner der englischen Geschichte wissen bereits, was in diesem Buch passiert: König George V. stirbt, Edward lehnt den Königsthron ab und Albert wird zum neuen Herrscher von Großbritannien. Soweit so gut. Was jedoch hinter dieser offiziellen Fassade in der gehobenen Gesellschaft passiert, erläutert Juliet Nicolson in ihrem Debütroman. Dabei bringen sowohl May, die als eine der ersten Chauffeurinnen bei einem Abgeordneten des britischen Parlaments arbeitet, als auch Evangeline, die direkt Informationen aus dem Königshaus erfährt, ihr Wissen in die Geschichte ein. So webt sich ein dichtes Netz aus Fakten, Gerüchten und dem Leben der Leute, das neben den Ereignissen im Königshaus weiterläuft.
Graphische und rhetorische Gestaltung
Das Cover wirkt durch seine gedeckten Farben sehr passend zur der Zeit, in der der Roman spielt und direkt in seiner Mitte können wir einen der wichtigsten Gegenstände der Geschichte sehen: Ein blauer Rolls-Royce, das Auto, in dem May ihren Dienstherren und unter anderem auch Evangeline durch die Gegend fährt. Im Auto können wir außerdem May sitzen sehen, auf der Treppe erkennt man Evangeline. Beim Haus im Hintergrund könnte es sich um Fort Belvedere, den Landsitz von Prinz Edward handeln, in dem sich Teile der Handlung zutragen.
Stilistisch fallen in diesem Buch vor allem die vielen Schachtelsätze auf, so dass man manchmal leicht den Überblick verliert, wer jetzt was gesagt oder getan hat. Nicht selten musste ich einen Satz zwei- oder dreimal lesen um zu verstehen, was dort passiert. Nicolson gibt sich zwar große Mühe beim Beschreiben ihrer Charaktere, jedoch kommen am Ende nur Fetzen der Bilder beim Leser an und den Rest muss man sich selbst zusammenreimen. Da bestimmte Ereignisse immer wieder aus unterschiedlichen Perspektiven wiederholt oder reflektiert werden, verliert man leicht den zeitlichen Überblick und weiß schon bald nicht mehr genau, wo die gerade handelnde Szene zeitlich einzuordnen ist – an einem bestimmten Punkt wird jedoch immer wieder ein Fixpunkt eingebunden und man findet zurück in die Handlung. Chronologisch ist das Buch jedoch absolut nicht.
Rhetorische Feinheiten finden sich in Juliet Nicolsons Roman nicht wirklich, rhetorische Fehlgriffe jedoch auch nicht. Das Buch liest sich aus dem sprachlichen Aspekt heraus ganz nett, zwischendurch finden sich auch immer wieder Hinweise auf damalige Lektüre (neu erschienene Bücher, beliebte Zeitungen) und sprachliche Gewohnheiten (wie zum Beispiel das fließende Einbinden französischer Begriffe).
Die Geschichte ist aus der dritten Person erzählt, wobei die Perspektive zwischen fast allen handelnden Personen schwankt, so dass man die unterschiedlichsten Einblicke in die Gedankenwelten erhält. Der Fokus liegt dabei auf May und Evangeline, wobei letztere recht ermüdend wirken kann. Der Perspektivwechsel erfolgt beinahe mitten im Satz und so dauert es zu Beginn immer einen Moment, bis man sich wieder in der Geschichte zurecht findet. Mit der Zeit gewöhnt man sich jedoch an die ständigen Wechsel.
Meine Meinung
Mit Vorwissen über die tatsächlichen historischen Fakten ist der Roman zwar sehr vorhersehbar, kann jedoch weiterhin eine nette Lektüre sein. Ich wage mich nicht, über die historische Akkurarität Aussagen zu treffen, für ausgeprägte Kenner dieser Zeit besteht allerdings die Gefahr, dass manche Dinge abgeändert wurden, um besser zum Verlauf des Romans zu passen.
Wer natürlich noch nicht so viel Vorwissen mitbringt, für den ist dieser Roman genau wie ein in der Gegenwart angesiedeltes Buch unterhaltsam und hält außerdem einige Überraschungen bereit, die Geschichtskennern bereits bekannt sind. Für neue Erkenntnisse über das Leben zu dieser Zeit ist das Buch außerdem hervorragend geeignet.
Fazit
Mir persönlich hat das Buch, rein inhaltlich, recht gut gefallen, auch wenn die ständigen Perspektivwechsel und Zeitsprünge doch negativ aufgefallen sind. Da ich bisher noch keine Romane aus dieser Zeit gelesen hatte, haben mich die Gewohnheiten (wie z.B. die Abendgesellschaften) sehr fasziniert, da sie wirken wie aus längst vergangener Zeit – und dabei ist es noch nicht einmal 100 Jahre her. Wer also Interesse an einem historischen Roman hat, der erzählt ist wie ein Buch der Neuzeit, der ist hier genau richtig.
Spoiler
Schon im Klappentext wird er erwähnt – Julian, ein Oxfordstudent, der fast schon in die Familie von Mays Dienstherrn adoptiert wurde. Die Rückseite des Buches verrät uns, dass May sich in ihn verliebt, obwohl er „unerreichbar“ ist, doch natürlich finden die Beiden am Ende zueinander.
Evangeline, die einsame Amerikanerin, die erst im letzten Jahr ihre Mutter verloren hat, hofft in England auf die große Liebe zu treffen, doch dabei bleibt sie leider erfolglos. Zwar wirft sie u.a. auf Julian ein Auge, doch ihre Interessen bleiben stets unerwidert und so kehrt sie, einsam wie zu Beginn, schließlich nach Amerika zurück.
Die Beziehung zwischen Evangeline und Wallis, der Geliebten des Thronfolgers, ist bereits zu Beginn des Buches sehr angespannt, jedoch versuchen beide Frauen, dies zu überspielen. Im Verlauf des Romans wird das Verhältnis aber immer schlimmer und so trennen sich die beiden schließlich unter den übelsten Vorwürfen.
Diskussion
1. Warum wird das Verhältnis von May und Julian als so kritisch betrachtet? May stammt als Tochter eines Plantagenbesitzers aus einer recht gut gestellten Familie, Julian ist als Sohn einer verwitweten Professorengattin nicht mehr so hoch gestellt wie vielleicht noch zu Zeiten, als sein Vater noch lebte. Einziges Problem ist, dass May Angestellte ist – wenn sie ihre Stellung kündigen würde, wäre es dann akzeptabler?
2. Evangeline bleibt auch am Ende des Buches allein, obwohl sich zwischendurch auch immer wieder Verehrer für sie finden – so zum Beispiel der Seemann auf der Überfahrt nach England. Warum geht sie auf keines der Angebote ihrer Verehrer ein, beklagt sich jedoch auf der anderen Seite darüber, dass sie so allein ist? Hofft sie auf den perfekten Mann oder worauf wartet sie?
3. Dass Prinz Edward den Thron aufgrund seiner Liebe zu Wallis abgelehnt hat, ist eindeutig. Was wäre jedoch passiert, wenn sie dazu zugestimmt hätte zwar Gattin des Königs, nicht jedoch Königin zu sein? So hätte das Volk sie nicht als Königin akzeptieren müssen, Edward hätte auf der anderen Seite sein Land weiter führen können. Was denkt ihr zu all diesen Dingen?
Habt ihr noch andere offene Fragen, die ihr gern diskutieren möchtet? Ich bin gespannt!

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