Mittwoch, 25. Oktober 2017

Geheimnis in Rot [RSD]


Eigentlich war es ja nur eine Frage der Zeit bis sich auf diesem Blog neben den Büchern, dem Malen und der Musik meine größte Leidenschaft niederschlägt, denn ich liebe Weihnachten und alles, was damit zu tun hat. Das fängt mit dem Hören von Weihnachtsliedern im Hochsommer an und hört bei selbstgebastelten Adventskalendern etc. noch lange nicht auf. Als ich dann durch vorablesen die Möglichkeit bekommen habe, einen Weihnachtskrimi zu lesen, war ich sofort hin und weg - und das Glück war mir bei der Verlosung hold. Hier also meine Meinung zu "Geheimnis in Rot", einem neuen alten Kriminalroman aus Großbritannien.


 

Rezension zu "Geheimnis in Rot"


Mavis Doriel Hay's Kriminalroman "Geheimnis in Rot" erschien 1936 unter dem Titel "The Santa Klaus Murder" erstmals auf dem Buchmarkt. 2013 beschloss man dann, eine Neuauflage des Romans zu veröffentlichen und am 14.10. diesen Jahres erschien es dann auch erstmalig auf Deutsch.

 

Worum geht es?



Sir Osmond Melbury lädt alljährlich seine Kindern samt Familien zum Weihnachtsfest nach Flaxmere, den Familiensitz, ein. Seine Kinder, das sind: Hilda Wynford, die als 19-Jährige mit ihrem Freund durchbrannte und inzwischen eine 18-jährige Tochter, Carol, hat; George, der Erbe von Flaxmere, mit Frau Patricia und drei Kinder; Edith "Dittie" Evershot mit ihrem Mann David; Eleanor Stickland mit Mann Gordon und zwei Kindern, Osmond und Anne, und Jennifer, Anfang Zwanzig, die als einziges der Kindern noch im Haus ihres Vaters lebt. Eine große Familie also, zu der für die Feiertage außerdem noch Sir Osmonds Schwester Mildred, Jennifers Verlobter Philip Cheriton und Oliver Witcombe, ein junger Freund von Sir Osmond, stoßen. Und da das Haus noch nicht voll genug ist darf natürlich auch Sir Osmonds Haushälterin und Sekretärin, Grace Portisham, nicht fehlen. Verwirrung im Sinne von Loriots "Englische Ansage" garantiert.

Harmonisch waren diese gemeinsamen Weihnachtsfeste noch nie und auch dieses Jahr liegt wieder gehörig Spannung in der Luft. Dann, am Nachmittag des ersten Weihnachtsfeiertages, findet man Sir Osmond plötzlich erschossen in seinem Arbeitszimmer. Die Verwandschaft vermutet Selbstmord doch für die Polizei ist klar, das hier jemand anderes seine Finger im Spiel hatte. Hauptverdächtiger ist Oliver Witcombe, der am selben Abend den Weihnachtsmann für die Enkel und Bediensteten von Sir Osmond spielen musste, denn - da sind sich alle einig - es war ein Weihnachtsmann der als Letzter Sir Osmonds Arbeitszimmer betreten und vorher geschickt Knallbonbons an die Kinder verteilt hat, so dass niemand den Schuss hätte hören können. Nur, dass Oliver die Anschuldigung vehement abstreitet - und dann taucht auch noch ein zweites Weihnachtsmannkostüm auf!

Graphische und rhetorische Gestaltung


Das Cover des Buches ist nicht gerade schlicht gehalten - detailverliebt illustrierte Dieter Braun einen geschmückten Weihnachtsbaum, ein Landhaus inmitten eines Waldes, Schneeflocken, natürlich den Weihnachtsmann mit der Pistole und um den Kitsch perfekt zu machen thront über allem auch noch ein Vollmond. Trotzdem ist seine Farbpalette recht simpel - viel blau und weiß, etwas rot und ein Hauch gold. Ob ein Roman mit diesem Cover zu einer anderen Jahreszeit Erfolg hätte, ist die Frage, aber für einen Weihnachtsroman ist es genau richtig!

Der Kriminalroman ist in 21 Kapitel gegliedert und lässt sich folglich, wenn man mit etwas Verspätung beginnt, auch als eine Art Adventskalender nutzen, so dass am Heiligabend dann endlich herauskommt, wer Sir Osmond erschossen hat. Zusätzlich dazu gibt es einen Anhang, in dem erklärt wird, wie genau der/ die Täter/in entlarvt wurde.

Rhetorisch bedient sich Mavis Hay einer recht einfachen Sprache ohne große Floskeln, die vor allem darum bemüht ist, die Tatsachen so darzustellen, wie sie sind und die Ermittlungen voran zu bringen. Neben der Geschichte kommen kleine Details des alltäglichen Lebens nicht zu kurz - wie zum Beispiel das nicht ordnungsgemäß funktionierende Telefon von Colonel Halstock oder die Beschwerde der weiblichen Familienmitglieder darüber, dass sie, aufgrund des Mordverdachts, Flaxmere nicht verlassen dürfen um sich schicke Beerdigungs- und Trauerklamotten zu kaufen.

Die Geschichte ist in der Ich-Perspektive erzählt, wobei der Fokus eindeutig auf Colonel Halstock liegt, der nicht nur ein Nachbar von Sir Osmond ist sondern auch an den Ermittlungen beteiligt ist. Des weiteren erzählen Philip, Hilda, Jennifer, Grace und Kenneth Stour, was aus ihrer Sichtweise passiert. Dabei wird zu Beginn jedes Kapitels unter dem Titel eindeutig klargestellt, wer gerade berichtet.

Meine Meinung


Bevor ich meine Meinung abgebe muss ich zunächst klar stellen, dass ich eher weniger Krimis lese und auch bei meinen Serien-/ Filmgewohnheiten ist das nicht anders. Eine Ausnahme stellt "Inspector Barnaby" ("Midsumer Murders") da. Deshalb kann ich Mavis Hays Roman nicht mit aktuellen Werken vergleichen, das Einzige, was mir diesbezüglich einfällt, ist, dass der Roman genauso britisch ist wie "Inspector Barnaby".

Trotzdem oder vielleicht gerade deswegen hat mir dieses Buch sehr gut gefallen. Aufgrund der nicht all zu anspruchsvollen Sprache ließ es sich schnell hintereinander weglesen und am Ende war ich mehr als gespannt zu erfahren, wer es denn nun war. Zwischendrin hatte ich tausende Vermutungen und da sich die Beweislage immer wieder geändert hat, war ich mir mit keiner von Ihnen am Ende mehr sicher. Vorhersehbar war der Roman also absolut nicht!

Fazit

"Geheimnis in Rot" ist eine packende, leichte Geschichte, mit der man sich gern die Zeit vertreibt. Empfehlen kann ich das Buch an alle Altersgruppen, solange ein Interesse für spannende Kriminalfälle vorhanden ist. Um mir große Worte zu sparen folgt hier das Fazit von "The Globe And Mail", die es, wie ich finde, am Treffensten formuliert haben:

"Dieser außergewöhnlich clevere Landhauskrimi mit seinem Flair der Goldenen Zwanziger ist das perfekte Weihnachtsgeschenk." 



 

Spoiler


Da ich persönlich das Konzept eines Krimis bevorzuge, in dem nicht alle möglichen Leute dahin geschlachtet werden, sondern ein klarer Fokus auf den Ermittlungen liegt, kommt hier Nummer eins: Neben Sir Osmond wird keine weitere Figur ermordet und es werden auch keine alten Morde wieder aufgerollt. Die Geschichte dreht sich allein um einen einzigen Toten und ist dadurch umso spannender.

Am Anfang des Romans, noch bevor der Mord geschehen ist, sehen die Familienmitglieder klar die Sekretärin Grace Portisham als Verdächtige, jedoch ist sie durch und durch unschuldig und hat von den zum Weihnachtsfest Anwesenden vermutlich den besten Charakter.

Und auch wenn es durch die Formulierung des Inhalts und des Klappentexts fast eindeutig ist - nein, Oliver Witcombe ist nicht der Mörder, auch wenn er sehr danach aussieht. (Und die Spur vermutlich all zu gern auf ihn abgelenkt wurde.)



 

Diskussion


Wie immer sind mir ein paar Punkte im Kopf hängen geblieben, die ich gerne diskutieren möchte. Falls ihr das Buch also schon gelesen habt, würde ich mich sehr über eure Meinung zu diesen Fragen freuen!

  1. Hilda hat es mit Neunzehn geschafft ihrem Traum zu folgen und hat damit ihr Erbe riskiert. Trotzdem ist sie vermutlich das Lieblingskind von Sir Osmond. Warum hat sich Dittie nicht das Gleiche getraut und ist mit Kenneth gegangen? Hatte sie wirklich so große Angst davor, ihren Lebensstandard nicht halten zu können (womit sich Jennifer letztendlich auch abfindet) oder war da noch mehr?
  2. Warum kooperiert Sir David nicht noch mehr mit der Polizei? Wäre er von vorn herein besonnener gewesen (oder hätte Dittie den Colonel mehr über ihn aufgeklärt) hätten sie ihn doch viel eher in Ruhe gelassen.
  3. Warum verbringt Grace das Weihnachtsfest lieber mit Sir Osmonds Familie als mit Bingham auszugehen? So viel Pflichtbewusstsein kann doch gar nicht sein? Ahnt sie, dass mit Bingham etwas nicht stimmt?

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