Donnerstag, 13. Juli 2017

Camp NaNoWriMo Schreibspiele

Zu jedem Sommercamp gehören (natürlich) Spiele und nachdem ich schon ein paar Tipps in diese Richtung gegeben habe, um euren Plot zu entwickeln etc. möchte ich in diesem Post ein paar Schreibspiele vorstellen, die man in Gruppen spielen kann und die eher Schreibübungen sind als das sie eurem Plot helfen - aber auch das ist manchmal wichtig.

Und dann passiert das! 


Der Klassiker unter den Schreibspielen ist die Geschichte mit vorgegebenen Elementen. Dazu braucht ihr einen Spielleiter und jeder etwas zu Schreiben. Der Spielleiter gibt nun eine Ausgangssituation an, von der aus ihr zu Schreiben beginnt. Nach einem beliebig langen Zeitraum (3-5 Minuten) gibt euch der Spielleiter eine weitere Information. (Zum Beispiel: Plötzlich steht ein Elefant im Bahnwaggon.) Diese Information muss nichts mit der vorherigen Situation zu tun haben und eure Aufgabe ist es, sie so gut wie möglich in eure Geschichte einzuarbeiten. Der Spielleiter kann nun beliebig oft weitere Informationen verkünden, bis er das Spiel als beendet erklärt. Jeder muss nun seine Geschichte beenden und vorlesen - gern kann auch ein Gewinner gekürt werden. Wenn ihr keinen Spielleiter habt könnt ihr auch im oder gegen den Uhrzeigersinn Informationen bereitstellen und vorher eine Schreibdauer festlegen.

Knickgeschichten


Viele von euch kennen bestimmt das Kinderspiel mit den Knickbildern: Ein Blatt wird längs wie eine Ziehharmonika gefaltet und dann wird darauf eine Person gemalt. Der Trick dabei ist, dass jeweils nur ein Knick bemalt werden darf. Anschließend wird das bereits Gemalte weggeknickt und mit Linien angedeutet, wo weiter gemalt werden muss. So wandert das Papier in der Runde herum, bis der letzte Knick (meist mit den Füßen) erreicht ist. Das Gleiche lässt sich auch zum Schreiben veranstalten.

Variante 1


Jeder knickt ein Blatt, so wie für die Knickbilder und schreibt in den obersten Knick einen Namen und ein Geschlecht. Auf den zweiten Knick kommt dann zum Beispiel ein Nachname, dann ein Geburtsdatum, anschließend eine besondere Station aus dem Leben der Person, eine außergewöhnliche Eigenschaft, der Aufenthaltsort der Person und zum Schluss das Jahr, in dem die Geschichte spielen soll. Natürlich könnt ihr die Kriterien für die unterschiedlichen Knicke auch abändern. Zum Schluss wird das Papier noch einmal eine Person weiter gereicht und nun hat jeder eine Knickperson. Über dieser Person schreibt ihr nun eine Geschichte, in die alle Eigenschaften (nicht unbedingt in der Reihenfolge) eingearbeitet werden müssen. Anschließend lest ihr den Steckbrief eurer Knickperson und eure Geschichte vor. Auch hier kann ein Gewinner gekürt werden.

Variante 2

 

Auch hier muss das Blatt gefaltet werden und eine Satz- bzw. Wortanzahl für jeden Knickabschnitt festgelegt werden. Dann füllt jeder seinen Knick aus und schreibt auf den nächsten Knick einen überleitenden Satz - zum Beispiel "Und plötzlich sah Mia ..." oder "Hätte Karl nur gewusst, dass ..." Dann wird das Papier weiter gereicht und die Geschichte weiter geschrieben, ohne dass der Inhalt des oberen Knicks bekannt ist. Sind die Geschichten beendet könnt ihr sie euch gegenseitig vorlesen - viel Spaß ist dabei garantiert!


"Werwolf" (auch: "Nachts in Palermo")


Dieses Spiel ist vermutlich jedem bekannt - für alle anderen folgt hier eine kurze Erklärung: Es handelt sich um eine Art Rollenspiel, bei dem Mörder/ Werwölfe nachts ihr Unwesen treiben. 

Zu Beginn zieht jeder eine Rollenkarte - im Fall von "Werwolf" sind das "Werwölfe" (je nach Größe der Gruppe 2-5), die jede Nacht gemeinsam ein Opfer bestimmen, eine "Hexe", die während des gesamten Spiels eine Person heilen und eine Person töten kann, ein "Seher", der sich erfragen kann, ob eine Person gut oder böse ist (jede Nacht aufs Neue), ein "Amor", der für die gesamte Runde ein Liebespaar bestimmt (wenn ein Partner stirbt muss der andere auch sterben), ein "Mädchen", dass Nachts durch die Finger linsen darf und vielleicht etwas entdeckt, was nicht Rechtens ist, ein "Jäger", der wenn er stirbt noch eine andere Person mit in den Tod nehmen kann, ein "Terrorist", der die beiden Personen rechts und links von sich mit in den Tod reißt, ein "Bürgermeister", dessen Stimme doppelt zählt und "Bürger" - sie sind vollkommen unschuldig. Bei "Nachts in Palermo" tauchen anstelle der "Werwölfe" "Mörder" auf und teilweise werden die übernatürlichen Rollen wie die Hexe und der Seher weggelassen

Am meisten Spaß macht "Werwolf" in einer großen Gruppe, aber man kann es auch in kleinen Gruppen spielen. Dazu können dann entsprechend die Anzahl der Mörder und die besonderen Bürger eingekürzt werden. Normale Bürger sollte es immer mindestens drei geben. Unbedingt notwendig ist hier auch ein Spielleiter/ Erzähler, der den Rollen Bescheid gibt, wann sie aufwachen sollen (um ein Opfer o.ä. zu bestimmen - lediglich Werwölfe, Hexe (solange ihre Tränke noch nicht aufgebraucht sind), Seher und Amor (in der ersten Nacht) wachen während der Nacht auf) und am Ende der Nacht verkündet, wer gestorben ist. Die "Toten" machen am Besten irgendwie deutlich, dass sie nicht mehr leben und dürfen natürlich auch Nachts die Augen öffnen, um zu sehen, wer tatsächlich die Bösen sind - allerdings können sie nicht mit den Lebenden kommunizieren

Jeden Mittag findet in der Dorfversammlung eine Abstimmung darüber ab, wer den Tod verursacht haben könnte und mit geschickten Argumenten etc. wird eine Person zum Tod verurteilt. Ziel dabei ist es, die "Werwölfe"/ "Mörder" zu töten, bevor alle anderen tot sind. Je nachdem, wer zuletzt noch lebt, haben die Werwölfe oder die Dorfbewohner gewonnen. Nach dem Tod verkündet jeder, was für eine Rolle er gezogen hatte.

Variante 1

 

Eine Möglichkeit, "Werwolf" in ein Schreibspiel umzuwandeln, ist, die Geschichte aus der Perspektive der jeweiligen Person, die man gespielt hat, wider zu geben. Dabei sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Je nachdem wie ihr euch in der Gruppe einigt, kann es jeden "Morgen" nach der Verkündung der Toten und jeden "Nachmittag", nach der Dorfversammlung eine Schreibzeit geben, in der die Charaktere ihre Gedanken festhalten. Außerdem ist es wichtig zu besprechen, ob es in Ordnung ist, wenn Charaktere, die bereits gestorben sind, nach ihrem Tod ihre Geschichte noch zu Ende schreiben bzw. als Geister weiterleben und das, was sie sehen, notieren dürfen. Natürlich kann man auch von vorn herein festlegen, dass sich alle während des Spiels lediglich Notizen machen und erst im Anschluss eine Geschichte von festgelegter Länge schreiben. So lassen sich schließlich zwei Gewinner küren: Das Gewinnerteam des "Werwolf"-Spiels und der Autor, der mit seiner Geschichte am Meisten überzeugt hat.

Variante 2

 

Statt die Geschichte noch einmal aufzuschreiben könnt ihr auch einfach innerhalb des  "Werwolf"-Spiels Möglichkeiten zum Schreiben schaffen. So könnte zum Beispiel während der Dorfversammlung von den Angeklagten je ein Plädoyer geschrieben werden und das mit der schlechtesten Argumentation verliert. Dabei dürfen die Schreiber von Leuten, die ihnen wohlgesinnt sind, unterstützt werden, um eine möglichst starke Argumentkette zu kreieren. Wichtig ist, dass zu jeder Versammlung ein neues Plädoyer geschrieben werden muss, sonst verliert der Charakter automatisch.


Habt ihr Tipps, was für Schreibspiele man sonst noch Spielen könnte? Und was sind eure Favoriten?

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Ein spannendes Abenteuer im hohen Norden!

"Zwei Frauen, ein Geheimnis und eine unverhoffte Reise" - so wird "Das Lied des Nordwinds" auf dem Backcover angeprie...