Samstag, 15. Juli 2017

Kennenlernspiele mit deinen Charakteren

Zwei Wochen des Camp NaNoWriMo sind vorbei, zwei liegen noch vor uns. Auch wenn es manchmal unmöglich scheint ist es machbar! Nachdem man jedoch bereits (idealerweise) die Hälfte seines Projekts aufgeschrieben hat, kann es schwer sein, den Charakteren, über die man schreibt, Tiefe zu geben. Deshalb möchte ich euch einladen, gedanklich zurück zum Beginn des Camps zu gehen und ein paar Kennenlernspiele mit euren Protagonisten zu spielen.

Solche Kennenlernspiele gibt es tausende und abhängig vom durchschnittlichen Alter der Gruppe werden logischerweise andere Spiele gewählt. Stellt euch also vor, ihr befindet euch mit all euren Charakteren in einem großen Zimmer (z.B. einem Seminarraum). Ihr seid dabei als Autor lediglich Beobachter oder leitet die Spiele an. Natürlich dürft ihr auch selbst mitspielen, am Wichtigsten ist es jedoch, dass ihr in Gedanken bei euren Charakteren seid: Wie würden sie auf die Situation reagieren? Was würden sie sagen? Wie würden sie sich verhalten?

Ballspielen für Fortgeschrittene


Dabei handelt es sich vermutlich um eines der bekanntesten Kennenlernspiele. Man steht in einem Kreis und eine Person hält einen Ball in der Hand. Die Person, die den Ball hat, wirft sie einer anderen Person zu und sagt dabei deren Namen. Jedoch darf der Ball nicht immer wieder zur gleichen Person geworfen werden. Ziel ist es, dass am Ende alle die Namen der anderen beherrschen.

Jetzt denkt an eure Charaktere: Wer von ihnen würde bei dem Spiel überhaupt mitmachen? Würde sich ein Charakter verweigern? Wie würden sie den Ball werfen - mit Aufprall auf den Boden, in einem hohen Bogen durch die Luft, als direkten Pass gegen die Brust? Wem würden sie den Ball zuspielen oder, um es anders zu formulieren, würde es eine Person geben, der sie den Ball nie zuwerfen würden? (Und wenn ja, warum?) 

All diese Dinge sagen viel über die Charaktereigenschaften, vor allem aber über die Beziehungen zwischen den handelnden Figuren aus. Vielleicht findet ihr ja auch eine Möglichkeit, die besonders engen bzw. besonders angespannten Beziehungen in der Geschichte noch einmal hervor zu heben! Es kann auch sein, dass euch eine besondere Beziehung jetzt erst klar wird, die im Verlauf des restlichen Buches noch eine wichtige Rolle spielen könnte.

Das Eigenschaften-ABC


Ein weiteres beliebtes Spiel ist das "Eigenschaften-ABC" - jeder sucht passend zu den Buchstaben seines Vor- oder Rufnamens Eigenschaften heraus, die auf ihn zutreffen. Bei einem klassischen Namen wie "Max" könnte das dann zum Beispiel "Musikalisch Akrobatisch Xylophonbegeistert" sein.

Zurück zu euren Charakteren also - je nachdem, ob ihr an einem Jugendbuch oder z.B. einen Sci Fi Roman arbeitet können die Namen eurer Figuren recht ausgefallen sein. Lassen sie sich auf die Herausforderung ein oder blocken sie ab, weil es ihnen zu aufwändig und/ oder zu persönlich ist? Wenn sie mitmachen - was sagen sie über sich? Wie sieht ihr Eigenschaften-ABC aus? Nennen sie Eigenschaften, die den anderen Charakteren bekannt sind oder wird eine neue Sicht auf sie offenbart? Wie reagieren die anderen Figuren auf die Eigenschaften?

All diese Dinge lassen sich hervorragend in eure Geschichte einarbeiten. Gibt es zum Beispiel einen Charakter, der sich selbst für bescheiden hält, es aber absolut nicht ist? Lässt sein Umfeld ihn wissen, dass da etwas nicht stimmt oder nehmen sie es einfach still hin? Zwar spielen auch hier die Beziehungen eine wichtige Rolle, gleichzeitig erhaltet ihr aber auch eine intensive Introspektive der Charaktere - ihr erfahrt durch sie wie sie sich selbst sehen. (Unabhängig davon, was andere denken.)

Pantomime


Was die Figuren von einander halten ist dafür bei diesem Spiel umso wichtiger. Während der Pantomime sollen die Charaktere, die sich nun schon ein bisschen besser kennen, eine andere Figur durch eine typische Haltung, eine typische Bewegung oder ein besonderes Geräusch darstellen. (Auch wenn sich das ein wenig mit dem Konzept der Pantomime reibt.) Die anderen Figuren müssen dann versuchen zu erkennen, wer dargestellt wird.

Wer stellt wen dar? Und was tut diese Figur, damit die Anderen erkennen, wer gemeint ist? Bleiben die Charaktere respektvoll oder kommen auch "nicht nette" Pantomimen dazu? Wie reagiert die dargestellte Person - zustimmend, amüsiert oder wütend? Sind sich die Charaktere ihrer dargestellten Stärken/ Schwächen/ Eigenschaften bewusst?

Dieses Kennenlernspiel kann euch besonders dann helfen, wenn ihr den Fokus von Gesprächen auf das beschreibende Erzählen verschieben wollt. Durch eine markante Geste könnt ihr an anderen Stellen auch schon vorweggreifen, wer gerade auftaucht ohne den Namen des Charakters zu nennen. ("Max hörte ein leises Trommeln auf der Tischplatte. H - I. Morsecode. Ohne sich umzudrehen wusste er, dass Paul direkt hinter ihm stand.")


Welche Tricks verwendet ihr, um keine oberflächlichen Charaktere zu schreiben? Stellt ihr sie euch als tatsächliche Personen vor, die neben euch im Zimmer sitzen und euch ihre Geschichte erzählen oder seit ihr mehr der Typ Historiker, der über die Figuren berichtet ohne sie je wirklich kennen gelernt zu haben?

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