Heute folgt ein weitere Auszug aus meinem Romanprojekt "Myerm". Mehr dazu findet ihr hier.
Während der Sommersonnenwende wurde ein kleines Mädchen, Leonor, entführt. Zuvor hatte sie in einem Kanal gespielt und war dann plötzlich unter Wasser verschwunden. Da der Vorfall in der Nähe von Noemis Haus passiert ist, ist sie entsprechend ängstlich. Im folgenden Text treffen die beiden Hauptcharaktere aufeinander.
Neben dem Algenbecken entdeckte Noemi eine hellblaue Muschel. An
den Rändern der Kanäle bildeten sich of weiße oder graue Krusten
der selben Art, aber eine bunte Muschel hatte sie noch nie gesehen.
Noch während sie den blauen Gegenstand nachdenklich betrachtete,
nahm sie im Augenwinkel eine Bewegung wahr. Schnell blickte sie auf –
und sah direkt in ein Gesicht, dass durchaus menschliche Züge trug.
Nur mit Müh und Not unterdrückte sie einen entsetzten Schrei. Das
Gesicht war umgeben von schulterlangen, hellen Haaren und tatsächlich
setzte sich der Körper bis zur Taille fort wie jeder andere.
Darunter befand sich jedoch etwas, dass schrecklicher war als alles,
was sie zuvor gesehen hatte: Überdimensionale Tentakeln. Nass und
unruhig bewegten sie sich von hier nach da und schienen sich nicht
beruhigen zu können. Starr vor Ohnmacht zwang sie sich ihren Blick
wieder nach oben zu richten und wurde mit einem breiten Grinsen
konfrontiert.
„Hallo“, sagte die fremde Person und Noemi war fest davon
überzeugt, das es nur noch eine Frage von Sekunden war, bevor sie
rückwärts ins Wasser kippen würde. Vorsichtig tastete sie sich zu
der Steintreppe vor, die den einzigen Ausgang nach oben bildete. Wenn
sie jetzt nicht schnell handeln würde, würde sie das selbe
Schicksal ereilen wie Leonor Goncalves. Und darauf legte sie keinen
Wert.
„Ganz ruhig, ich tu dir schon nichts.“ Die Stimme des
Tentakelmenschen klang zu Noemis Erstaunen nicht wie die eines
mystischen Unterwassermonsters, deren Schauermärchen sie schon als
Kind eingeschüchtert hatten, sondern wie die jedes anderen Bewohners
der Hauptstadt von Pelago. Sie hatte das Lagunenreich nie verlassen
und wusste nicht, ob in den anderen Teilen von Atlantis ähnlich
gesprochen wurde, doch man hörte bereits den Händlern vom Festland,
die sich immer viel Mühe gaben, um sich anzupassen, an, dass sie
Fremde waren. Für Noemi gab es keinen schöneren Ort auf der Welt
und der Gedanke, beständig von Wasser umgeben zu sein, beruhigte sie
– im Anblick der Tentakelperson, die nur aus dem Wasser gekommen
sein konnte, begann sie jedoch, ihre Meinung zum Meer und zu den
Kanälen anzuzweifeln. Nichts bestimmte das Leben hier so sehr wie
das Wasser, doch erste jetzt begriff Noemi, dass es nicht nur gute
Seiten hatte.
„Was willst du von mir?“ Die Worte kamen ihr nur stockend über
die Lippen, aber es bestand die Chance, dass die Person etwas über
Leonor wusste. Sie hatte inzwischen die unterste Stufe der Treppe
erreicht, konnte also jederzeit fliehen und wollte zumindest etwas
über ihr mysteriöses Gegenüber erfahren. „Und wer oder was bist
du?“ Das Grinsen des Tentakelwesens verbreiterte sich.
Am nächsten Sonntag erfahrt ihr u.a. den Namen des mysteriösen Halbwesens!

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